Missverständnis 1: Gefühle sind ein unveränderliches und immer richtiges Bewertungssystem für die Umwelt
Unsere Gefühle helfen uns, die Welt um uns herum zu bewerten – sie geben uns Hinweise darauf, was uns gut tut oder schädlich für uns ist. Doch dieses Bewertungssystem ist keineswegs objektiv oder feststehend. Es wird von unseren frühen Bezugspersonen geprägt und durch eigene, in vielen Fällen sogar unbewussten Erfahrungen weiter geformt. Du suchst dir also nicht absichtlich aus, wie du auf bestimmte Situationen und Erlebnisse reagierst. Vielleicht ist dir aber bewusst, dass du anders reagieren möchtest – aber das geht nicht so einfach.
Denn oft übernehmen wir als Kind von unseren Bezugspersonen Bewertungen, die über unsere Gefühle auf die bewusste Ebene gelangen und von uns dann als angenehm oder unangenehm wahrgenommen werden. Wir haben uns so an sie gewöhnt, dass wir sie nicht hinterfragen, auch wenn sie nicht mehr zeitgemäß oder sogar hinderlich sind. Ein Beispiel: Wenn uns in der Kindheit vermittelt wurde, dass „Hunde gefährlich sind“, dann kann diese Bewertung und die damit verbundene Angst vor Hunden unser gesamtes Leben beeinflussen – selbst dann, wenn wir in der Realität ständig auf harmlose und freundliche Hunde treffen. Ähnlich verhält es sich mit Glaubenssätzen wie „Einen Fehler zu machen, ist peinlich“ oder „Das tut man nicht“ – mit der damit verbundenen Scham oder Peinlichkeit. Solche Gefühle können uns davon abhalten, das zu tun, was wir wirklich wollen, authentisch zu leben und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Was kannst du tun?
Hinterfrage deine Gefühle bewusst: Helfen sie dir oder schränken sie dich ein? Indem du lernst, deine Gefühle als solche – nämlich als Gefühle, und nicht als unumstößliche objektive Wahrheiten zu sehen, kannst du anders mit ihnen anders umgehen. Auch wenn du dir die Tatsache vor Augen führst, dass du sie dir nicht bewusst ausgesucht hast, hilft oft schon. Vielleicht entscheidest du dich dafür, Methoden zu lernen, die dir einen lösungsorientierten Umgang mit diesen Emotionen ermöglichen. So befreist du dich von „Altlasten“ und lebst dein Leben nach deinen Vorstellungen.
Missverständnis 2: Emotionen zulassen bedeutet, von ihnen überwältigt zu werden
Emotionen zuzulassen, kann sich für viele Menschen anfühlen wie ein Sprung in den Ozean – ohne Schwimmkenntnisse. Sie haben Angst, in ihren Gefühlen unterzugehen, weil sie nicht gelernt haben, auf eine gesunde Weise mit ihnen umzugehen. Daher werden Emotionen oft unterdrückt oder schlichtweg ausgehalten, was auf Dauer belastend ist und zu emotionalen Blockaden führen kann.
Doch Emotionen zuzulassen bedeutet nicht, sich von ihnen überwältigen zu lassen. Vielmehr geht es darum, einen sicheren Umgang mit ihnen zu entwickeln. So wie ein Nichtschwimmer einen Rettungsring braucht (oder einen Schwimmkurs machen kann), um sich sicher im Wasser zu fühlen, brauchen wir geeignete Werkzeuge oder Kurse, um mit Gefühlen umzugehen, ohne uns darin zu verlieren.
Was kannst du tun?
Lerne Techniken zur Emotionsregulation: Atemübungen, Meditation, Yin-Yoga oder YESolution können dir helfen, mit deinen Gefühlen umzugehen, ohne sie zu unterdrücken. Indem du dich mit den richtigen Werkzeugen ausstattest, kannst du dir erlauben, deine Emotionen wahrzunehmen und sie in dein Leben integrieren, ohne von ihnen kontrolliert zu werden.
Missverständnis 3: Emotionen müssen immer benannt werden
Viele Menschen glauben, dass sie ihre Gefühle genau benennen müssen, um sie zu verstehen und zu verarbeiten. Doch das ist nicht notwendig – vor allem dann nicht, wenn es schwerfällt, die richtigen Worte zu finden. Tatsächlich kann das Benennen von Emotionen manchmal sogar dazu führen, dass wir sie in eine Schublade stecken und damit voreilige Urteile über uns selbst und unsere Umgebung fällen.
Viel wichtiger ist es, Emotionen bewusst wahrzunehmen, ohne sie sofort zu kategorisieren oder zu bewerten. Eine hilfreiche erste Unterscheidung ist: Fühlt sich die Emotion eher angenehm oder unangenehm an? Angenehme Emotionen kannst du einfach bewusst genießen. Für unangenehme Emotionen ist es sinnvoll, eine Vorgehensweise zu haben, um mit ihnen lösungsorientiert umzugehen.
Was kannst du tun?
Übe dich in Achtsamkeit: Statt eine Emotion sofort zu benennen, spüre in deinen Körper hinein. Welche Empfindungen nimmst du wahr? Ist da ein Druck in der Brust, eine Anspannung im Nacken oder ein Kribbeln im Bauch? Indem du deinen Emotionen Raum gibst, ohne sie sofort einzuordnen, kannst du sie besser verstehen und auf sie reagieren, ohne dich von ihnen steuern zu lassen. Auch hier gilt: Geh nicht wie der Nichtschwimmer in den Ozean. Lerne zuerst, was zu tun ist, wenn du negative Emotionen wahrnimmst. Dann kannst du sicher mit deinen Emotionen umgehen.
Fazit: Ein bewussterer Umgang mit Emotionen
Unsere Emotionen sind keine unfehlbaren Wegweiser, sondern Hinweise, die wir wahrnehmen, hinterfragen und mit denen wir arbeiten können. Indem wir uns nicht darauf versteifen, sie immer benennen zu müssen, gewinnen wir mehr Freiheit.
Letztendlich geht es darum, mit unseren Emotionen in einen Dialog zu treten, anstatt uns von ihnen beherrschen zu lassen. Je bewusster und achtsamer du mit deinen Gefühlen umgehst, desto authentischer und selbstbestimmter kannst du dein Leben gestalten.